Weit weg und tief drin

Im Oktober schlossen sich einige Lehrer der FEO dem Angebot der cateedrale Görlitz an und fuhren mit Interessierten aus Tschechien, Polen und Deutschland weit über die Neiße hinaus, auf den „Spuren der Vernichtung“. Dieses von interreg geförderte Angebot zur Geschichts-Erfahrung sprach vor allem Multiplikatoren wie LehrerInnen an und diente dem Sammeln von Informationen und Eindrücken an mehreren Stationen ehemaliger Lager und Orten der Geschichte. Hier ein kleiner Einblick:

Wir starteten auf Görlitzer Seite am Gedenkstein vom Görlitzer Arbeitslager und fuhren dann nach Zgorzelec ins eh. Stammlager Stalag VIII A, in dem 120.000 Kriegsgefangene untergebracht waren, ca. 12.000 von ihnen starben hier.

Nach einem gemeinsamen Abendessen begannen wir den kommenden Tag im Bus mit Gesprächen und einer ruhigen Fahrt durch Morgennebel. Erste Station auf dem Weg nach Wroclaw war das Lager Groß Rosen. Die noch immer dort wachsenden Rosenstöcke sind das einzig Beruhigende an dem Ort. Er ist Zeugnis für die schreckliche Unterbringung Zehntausender Menschen. Das psychologisch zynische und unmenschliche Zermürben durch Arbeiten im Steinbruch, das Arbeiten für Großfirmen, die von Zwangsarbeit profitierten sowie die grausamen Unterbringungen sind immer noch fassbar und ließen uns betroffen zurück.

Nach einem Zwischenstopp in Wroclaw fuhren wir nach Krakow, wo wir die erste Nacht verbrachten.

In Krakow selbst konnten wir Oskar Schindlers Fabrik begehen. Heute ist dort ein sehr gut gemachtes Museum, was nicht nur den Werdegang von Schindler zeigt, der als indifferenter Profiteur zum Retter von über 1.000 jüdischen Menschen wurde, sondern das weit darüber hinaus die zivilen und militärischen Aspekte des Krieges beleuchtet.

 

Hinter großen Zahlen jeder einzelne Mensch

Am folgenden Tag unternahmen wir eine Stadtführung im Ort Oświęcim, den wir als Auschwitz kennen. Wir konnten die Synagoge und andere Orte kennenlernen und erfahren, wie sich der Ort entwickelte und wie die beiden Lager im Ort entstanden.

Das Stammlager von Oświęcim ist sehr beeindruckend und lässt einem Besucher keine Wahl, man muss sich mit der Enge, der Gefangenschaft und der Bedrängnis beschäftigen.

Das große Lager Birkenau ist für unsere Wahrnehmung und unser emotionales Fassungsvermögen schwer zu verarbeiten. Es nimmt einem den Atem und man kann nur in wenigen Schritten erahnen, was hinter den unglaublichen Zahlen steckt. Anhand von Baracken und einzelnen Betten und Decken ist die Greifbarkeit zu den Menschen möglich, die in diesem schrecklichen System ihr Schicksal hier im Lager fanden.

Abends sind wir für zwei Nächte in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim untergebracht, die unter abenteuerlichen Wegen zwischen deutschen und polnischen Menschen mit Unterstützung der Aktion Sühnezeichen entstand. Wir können dort gut Luft tanken, unseren eigenen Gedanken nachgehen, aber uns auch in Gruppen austauschen über das Erfahrene, auch mit Musik.

Wir haben diese intensive Reise für uns genutzt, werden sie weiter untereinander und mit anderen besprechen und überlegen, welche Teile der Orte man mit Jugendlichen besuchen kann.

Carsten Schmidt, Lehrer der FEO

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